Umgang mit Geld und Konsum: Was unsere Kinder lernen sollten

Am 1. Februar 2018 referierte Herr Urs Kiener (Kinder- und Jugendpsychologe bei Pro Juventute) im Schulhaus Blumenfeld zum Thema Umgang mit Geld, Konsum, Sackgeld und Jugendlohn. 35 interessierte Eltern nahmen an dem vom Elternrat organisierten Anlass teil, wurden mit vielen wertvollen Hinweisen und Tipps beliefert und erhielten die Möglichkeit ihre persönlichen Fragen zum Thema zu stellen.

Im Kern ging es um die Frage, welche Verantwortung man den Kindern im Umgang mit Geld und Konsum übertragen darf beziehungsweise übertragen soll.

Die heutige Konsumwelt ist sehr komplex und stellt hohe Anforderungen an Kinder und Jugendliche, daher ist das Thema Gelderziehung in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Dieses Erziehungsthema verdient die nötige Aufmerksamkeit und den Kindern und Jugendlichen sind im Umgang mit Geld Lernfelder zu ermöglichen. Es fehlt heute an Transparenz, woher des Geld überhaupt kommt. In den Augen der Kinder ist es der Bankomat, der Noten ausspuckt und grössere Zusammenhänge sind für die Kinder nicht ersichtlich.

Der Konsum und der problematische Umgang mit Geld wird insbesondere im Jugendalter zum Problem. Herr Kiener vertrat so dann die Hypothese, dass die Jugendverschuldung, auf fehlende Erfahrung im Umgang mit eigenem Geld zurückzuführen sei.

Was können wir Eltern tun, um unseren Kindern den Umgang mit Geld und Konsum zu lernen? Herr Kiener hielt einen ganzen Strauss an guten Tipps bereit:

  • Mit den Kindern über Geld und über Lebenskosten sprechen, aufzeigen, dass mit dem zur Verfügung stehenden Geld sowohl notwendige Ausgaben getätigt werden müssen, aber auch Geld für Freizeit und Vergnügen zur Verfügung steht.
  • Den Kindern helfen, eine Vorstellung zu entwickeln, was sie brauchen und was sie sich leisten können.
  • Den Kindern nicht jeden Wunsch erfüllen, sie sollen die Erfahrung machen, auch einmal auf etwas warten zu können (Belohnungsaufschub).
  • Den Kindern vermitteln, dass Anerkennung und Glück auch ohne Konsum möglich ist.
  • Den Kindern in angemessener Form Verantwortung für eigenes Geld übertragen, z.B. in Form von regelmässigem Sackgeld.

Pro Juventute empfiehlt, den Kindern ab der 1. Klasse Sackgeld zu geben und macht folgende Vorschläge zu angemessenen, altersabhängigen Sackgeld-Beträgen:


1. Schuljahr: Fr. 1.– pro Woche
2. Schuljahr: Fr. 2.– pro Woche
3. Schuljahr: Fr. 3.– pro Woche
4. Schuljahr: Fr. 4.– pro Woche
5. und 6. Schuljahr: Fr. 25.– bis Fr. 30.– pro Monat
7. und 8. Schuljahr: Fr. 30.– bis Fr. 40.– pro Monat
9. und 10. Schuljahr: Fr. 40.– bis Fr. 50.– pro Monat
ab dem 11. Schuljahr: Fr. 50.– bis Fr. 80.– pro Monat


In einem zweiten Teil des Referats erklärte Herr Kiener das Konzept des Jugendlohns, der mit Jugendlichen ab 12 Jahren vereinbart werden kann. Die Jugendlichen erhalten einen fixen monatlichen Betrag, von dem sie einen grossen Teil ihrer Ausgaben, z.B. Kleider, Handy, Velo, Freizeit, Sport, Essenskosten tagsüber, Coiffeur, selber finanzieren müssen. Zusammen mit den Jugendlichen werden Rahmenbedingungen festgelegt, wofür wie viel Geld ausgegeben werden darf.

Zum Schluss führte Herr Kiener die wichtigsten Pro-Argumente zum Jugendlohn aus: Der Jugendlohn fördert die Selbstverantwortung und die Selbständigkeit der Jugendlichen und zeugt von Vertrauen der Eltern ihren Kindern gegenüber.

Mit diesen Ausführungen endete das Referat und beim anschliessenden Apéro wurde noch rege weiterdiskutiert. Ein sehr gelungener Anlass!

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